Last Lecture – was wenn morgen Schluss wäre?

Last Lecture – die Lehren meines Lebens von Randy Pausch ist eines jener Bücher zum Thema Zeit/Life-Management, das mich am meisten berührt hat. Wahrscheinlich auch, weil es jemand geschrieben hat dem nicht mehr viel Zeit blieb.    

Wenn sich jemand wie Randy Pausch zu einem Zeitpunkt Gedanken über die Prioritäten des Lebens macht - und Zeitmanagement ist für mich nichts anderes -  wo dessen Ende schon absehbar ist, verfehlen seine Aussagen die Wirkung nicht.

Immer wieder werden auch die besten Zeitmanager in der täglichen Hektik im Hamsterrad von Dingen eingeholt, die sich immer wieder als dringend aufdrängen und Zeit stehlen wollen – daher auch der Begriff Zeit-Dieb.

Aber im Prinzip und bei genauerer Betrachtung sind diese Dinge meist gar nicht wichtig.

Zwar gibt es im Bereich des Zeitmanagements Tipps und Tricks wie Sand am mehr diesen Zeit-Dieben Herr zu werden, aber der mächtigste aller Hebel ist und bleibt laut mir die Eisenhower-Matrix (hier sehr gut von Ivan Blatter beschrieben).

Wer es schafft Tag für Tag und in jedem Moment sämtlichen Input der auf einen einprasselt anhand der Eisenhower-Matrix einzuordnen, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Herr seiner Zeit und wird es auch bleiben.

Wie unwichtig viele Dinge sind, die sich immer wieder laut als „dringend“ aufdrängen, würde einem sicher am aller klarsten in dem Moment bewusst, wenn einem plötzlich die eigene Endlichkeit endgültig und unwiderruflich bewusst würde.

Nicht umsonst ist eine beliebte Übung in Zeitmanagement-Seminaren die Übung mit der eigenen Grabrede (schreibe auf, was man von dir am Grabe sagen soll).

Sie ist zwar etwas sarkastisch und manche Teilnehmer fühlen sich auch unwohl dabei, aber wenn das eigene Ende in den Fokus rückt, dann kommt das wirklich Wichtige ans Tageslicht.

Interessant ist die Frage schon, was man mit der verbleibenden Zeit machen würde, wenn man heute erfahren würde, dass man nur noch 1 Woche, 1 Monat oder meinetwegen auch 1 Jahr zum Leben hätte.

Vielleicht nehmt ihr euch ja auch einmal eine kleine Auszeit für diese Übung …

Besonders der eingangs erwähnte Randy Pausch hat dies am eigenen Leib erfahren müssen. Mit 46 Jahren diagnostizierte man Pankreas-Krebs bei ihm und es blieben ihm keine 2 Jahre mehr …

Als amerikanischer Professor, bei dessen Pensionierung eine „Last Lecture“ – eine letzte Vorlesung vorgesehen gewesen wäre, entschied sich Pausch seine „Last Lecture“ aufgrund seiner Diagnose vorzuziehen. In dieser seiner letzten Vorlesung blickt Pausch natürlich auf sein Leben zurück, aber man erfährt dort auch seine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema gutes Zeitmanagement. Aus diesem Grund finde ich das Buch zwangsläufig interessant.

Zwar kritisieren einige, dass die Vorlesung und das resultierende Buch zu selbstdarstellerisch, zu amerikanisch etc. ist, aber ich bin der Meinung , dass jemand der im Angesicht des eigenen Todes sich mit diesem Thema beschäftigt, schon Gehör verdient.

Denn ich glaube, dass in einem solchen Moment wirklich alles Unwichtige ausgeklammert wird. 

 

Hier nun Pauschs Erkenntnisse:

 

1.    Zeit muss verwaltet werden, nicht anders als Geld

Für mich die wichtigste Erkenntnis aus diesem Buch. Man ist viel zu großzügig mit der eigenen Zeit, auch weil man immer glaubt, dass man noch sooo viel Zeit zur Verfügung hat. 

Dieses Video der bayrischen Kabarettistin Monika Gruber ist mir immer wieder eine große Hilfe diese Erkenntnis nicht zu vergessen und wirklich das Motto Carpe-Diem zu leben.

Es ist absolut wichtig geizig mit der eigenen Zeit zu!

Lieber bei der Zeit geizig sein als beim Geld. Bringt deutlich mehr Zinsen …

 

2.    Ein Plan lässt sich ändern, jederzeit, aber nur, wenn du überhaupt einen hast.

Auch hier stimme ich Randy Pausch absolut zu. Sicher lebt man auch ohne Plan, aber effektiv ist ewas anderes. Wenn man wirklich wichtige Dinge umsetzen will (Zeit mit den eigenen Kindern, Dinner mit Ehepartner etc.), dann müssen diese geplant werden.

Plant man sie nicht ist im Handumdrehen wieder ein halbes Jahr rum und man hat keines dieser wirklich wichtigen Dinge erledigt.

Warum?

Weil sie eben nicht dringend erscheinen und NUR wichtig sind.

Aber merke dir: Das sind laut Eisenhower eindeutig B-Aufgaben (nicht dringend – aber wichtig).

Und diese werden IMMER irgendwann dringend, wenn man sie nicht plant. (Kinder sind aus dem Haus, Frau fordert Scheidung etc.) 

Für Planungs-Muffel oder jene die Angst haben ihr Leben zu stark zu „verplanen“ gilt Randy Pauschs Aussage: "Ein Plan kann immer geändert werden, aber nur wenn man einen hat …"

 

3.    Frage dich einmal selbst: Verbringst du deine Zeit mit den richtigen Dingen?

Ja, ja so eine Banalität …

Ja sicher, aber ich glaube, dass man sich diese Frage bei limitierter Lebenszeit sicher deutlich öfter stellen würde …

 

4.    Denke dir ein gutes Ablagesystem aus

Unordnung kostet extrem viel Lebenszeit. Trotz Digitalisierung sind sehr viele Unterlagen nach wie vor in Papierform und bei der Suche danach lässt man sehr viel Zeit liegen, bzw. dort liegt großes Potenzial eben mit dem richtigen System.

Ich arbeite hier seit Jahren mit Mappei und bin sehr zufrieden.

 

5.    Überdenke einfach mal die Zeit, die du am Telefon vergeudest

Auch hier erlebe ich in meinem Job sehr oft Old-School vs. Neue Denke.

Sehr viele Manager nutzen fast nur das Telefon als Kommunikationswerkzeug und sind daher viele Stunden am Hörer.

Neue Tools wie Mail, SMS etc. können auch hier – immer wichtig ist der richtige Einsatz in der richtigen Situation - große Zeitsparer und Effizienzbomben sein. 

Manche Sachen – und hier hauptsächlich negative Dinge – sollte man aber nach wie vor per Telefon oder noch besser im persönlichen Gespräch klären.

 

6.    Delegiere

Ausgehend vom Eisenhower-Prinzip ist das Delegieren von C-Aufgaben (dringend aber nicht wichtig) der zweite große Hebel in Richtung Zeithoheit.

Wer richtig delegiert, seinen Mitarbeitern vertraut und ein verlässliches Wiedervorlage-System hat, schafft freie Zeit für sich selbst und für die wirklichen Dinge.

 

7.    Nimm dir eine Auszeit

Ein Therapeut hat zu mir einmal gesagt:

„Sie werden mit Sicherheit nicht der erste Mensch sein, der mit der Geschwindigkeit eines 100m-Läufers einen Marathon läuft“.

Wenn sie ein Sprinter sein wollen, dann braucht es immer wieder Pausen zur Regeneration zwischen den Sprints.

Wer das nicht befolgt – oder wie es Covey nennt „die Säge schärft“ – wird früher oder später den Preis dafür bezahlen.

Burnout lässt grüßen, denn 40 Jahre on the job ist einfach eine verdammt lange Zeit.

 

Einige werden obige Tipps wie gesagt als banal abtun, aber Zeitmanagement ist ja auch banal.

Das Schwierige daran ist sich täglich daran zu erinnern sein Wissen auch anzuwenden.

 

Gerne lese ich eure Tipps zum Zeitmanagement in den Kommentaren!